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Zu den bekanntesten österreichischen Gruppen aus den 80er-Jahren zählt
die Tiroler Rockband STORMWAVE. Die Jungs, die mit "Heroes Of The Night" ein
sensationelles Debütalbum ablieferten, lösten sich 1993 auf und gründeten
kurze Zeit später die Coverband RAT BAT BLUE, mit der sie bis heute erfolgreich
auftreten. Doch lassen wir Bandleader Manfred Margreiter selber zu Wort kommen...
Da euch einige jüngere Leser nicht mehr kennen werden,
würde ich dich bitten,
dass du die Gründerjahre von STORMWAVE ein wenig kommentierst...
Gegründet wurde die Band bereits im Jahr 1978 von mir und Horst Adamer. Unsere ersten Gehversuche machten wir beim
legendären Live Rock Café Ascher in Breitenbach am Inn, der damalige Bandname war noch POST MORTEM.
Nach etwa einem halben Jahr haben wir uns dann in THE NEW WAVE umbenannt. Lustigerweise entwickelte sich in dieser
Zeit eine Musikrichtung gleichen Namens und so entschlossen wir uns im Herbst 1980, unseren Namen abermals zu ändern,
nämlich auf STORMWAVE. Damals noch als Quartett rockten wir alle Clubs und Bars im Tiroler Raum. Im September 1982
verließ der damalige Bassist die Band und mein Bruder Klaus und dessen bester Freund nahmen dessen Platz ein.
Horst war ab diesem Zeitpunkt nur mehr Leadsänger und konzentrierte sich voll auf seine Vocals. Die nächsten Jahre
steigerten wir die Zahl der Auftritte noch mehr und spielten auch diverse Demos in Kleinstudios ein, um uns damit
bei den größeren Plattenlabels zu präsentieren. Mit dem Einstieg von Bruno "Bronson" Hosp am Bass
ging es 1986 musikalisch weiter steil nach oben. Wir unterschrieben einen Plattenvertrag bei der Firma Tyrolis in Zirl und
hatten uns so nebenbei eine beachtliche Anzahl von Fans durch unsere Live-Performances erarbeitet.
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Ihr hattet damals ja auch den legendären Auftritt bei der
Chartshow
"Die großen 10". Wie kam es dazu?
Damals war es üblich, dass bei jeder Ausstrahlung der von Udo Huber moderierten Fernsehhitparade ein Local Hero
aus dem jeweiligen Bundesland "Live On Stage" präsentiert wird. Dazu wurden im September 1983 die Tiroler über den
ORF Tirol und Ö3 aufgerufen, für deren Lieblingsbands Postkarten einzuschicken. Televotings gab es ja noch nicht.
Aus dieser Wahl gingen wir als ganz klarer Sieger hervor, da wir uns zwischen 1981 und 1983 in unserer Heimat
einen sehr guten Ruf als gnadenlos abrockende Live Band erarbeitet hatten. Die Nummer "Iron & Steel" wurde an
diesem Abend kompromisslos präsentiert, doch schaffte der Titel es nie auf einen unserer Longplayer oder Singles.
Bei Liveauftritten wurde der Song von den Fans aber immer lautstark als Zugabe gefordert.
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Stormwave | © Manfred Margreiter
Warum habt ihr den Song dann nie veröffentlicht?
Bis wir letztendlich einen ersten regulären Plattenvertrag bei Tyrolis 1987 erhielten, hatte sich
das Songwriting natürlich auch weiterentwickelt und so schaffte es der Song nicht mehr auf unsere Platte.
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Kommen wir zur "Spend The Night With Me"-Single. Dieses rare
Stück erzielt bei Sammlern inzwischen sehr hohe Preise und ist selbst bei Auktionsportalen wie eBay so gut wie nicht
mehr zu bekommen...
"Spend The Night With Me" war unsere erste Veröffentlichung, die wir in Eigenregie durchgezogen haben.
Aufnahmezeit hatten wir genau einen Tag und Nacht! Die Stückzahl war limitiert auf 1.000 Singles, die in kürzester
Zeit verkauft oder als Werbung verschenkt wurden. Durch diesen Achtungserfolg wurde damals auch die Plattenfirma
Tyrolis erstmals auf uns aufmerksam.
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Spend The Night With Me | Single 1982
Ich finde, die Single hat ein kultiges Cover...
Ja, ein sehr sehr geiles, handgemaltes Artwork, angefertigt von einem Cousin von mir, der damals Kunststudent war.
Dargestellt ist der König des Meeres, Poseidon, mit einem Dreizack.
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Mit eurer ersten LP "Heroes Of The Night" habt ihr 1987 ein sensationelles
Debüt abgeliefert, das heute noch in aller Munde ist. Welchen Stellenwert nimmt dieses Album rückblickend für dich ein?
Auf diese Platte sind wir innerhalb der Band alle noch sehr stolz. Man muss sich vorstellen, wie das damals ablief:
5 Tiroler Unterländer hatten inklusive Mix gerade einmal 10 Tage Zeit, ein Rockalbum auf Vinyl zu bannen, das mit der
internationalen Konkurrenz auf Augenhöhe sein sollte. Und das bei einem Label, bei dem zuvor noch nie rockige Sachen
aufgenommen wurden, wo es also hinten und vorne am nötigen Know How für unsere Musikrichtung fehlte. Glücklicherweise
waren wir damals schon mit Patrick Cox befreundet, der sich mit viel Gefühl und unermüdlichem Einsatz auf diese Aufgabe
stürzte und danach sogar für einige Zeit bei Tyrolis einen Fix-Job als Tontechniker angeboten bekam. Wir waren damals
wirklich Tag und Nacht im Studio und haben, glaube ich, wirklich ein Top Album hervorgezaubert. Alle Songs wurden von mir
und meinem Bruder Klaus komponiert und arrangiert. Ich machte die Hooklines, die Songstrukturen und die Texte und Klaus
steuerte die teilweise wirklich genialen Gitarrenriffs und vor allem die von Feeling nur so triefenden Gitarrensoli bei.
Das IRON MAIDEN zu unseren Vorbildern gehörten, ist auch heute noch gut an den zahlreichen mehrstimmigen Gitarrenparts
zu erkennen. Dazu hatten wir in Horst einen Sänger, der einen enormen Wiedererkennungswert hatte und meine Melodien
perfekt umsetzen konnte. Aus heutiger Sicht haben wir da wirklich einen kleinen Meilenstein innerhalb der Rockgeschichte
Österreichs geschaffen, der es wert wäre, nochmal mit zeitgemäßen Sounds neu aufgenommen oder zumindest
remastered zu werden.
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Stormwave | © Manfred Margreiter
Sechs Jahre nach der Erstveröffentlichung kam ja auf "Hot Metal Records"
eine Split-CD
mit eurem Werk und HAPPLs "Unsigned" auf den Markt. War das keine reguläre Veröffentlichung, sondern nur ein Bootleg?
Das war ein irreguläres Bootleg, aber irgendwie waren wir stolz darauf, dass sich die Leute für unsere Musik interessierten
und sind deshalb nie rechtlich dagegen vorgegangen.
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Mit der Single "Purple Light" und der Rückseite "Dreamin'" hattet ihr
zwei wirklich geniale Rocksongs am Start...
Diese zwei Nummern waren äußerst erfolgreich. Sogar Gotthard Rieger präsentierte uns damals in seiner Radiosendung
für wahre Rockfans - die Sendung hieß "Hard Rock Café". "Purple Light" ist ein Livekracher für jede Rockparty und "Dreamin'" eine Powerballade mit geilem Lead-Part im Gary Moore-Stil. Bei den Radio M1 Charts und sogar bei ORF Tirol lief die Ballade monatelang im Dauerplay.
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Stormwave | © Manfred Margreiter
Euer zweites Album "Love Is A Dangerous Game" und die dazugehörige Single
"Hold On" waren würdige Nachfolger zum Erstlingswerk. Mit dem Promo-Clip
"Love Is A Dangerous Game" konntet ihr sogar beim ORF punkten...
Das Songwriting wurde bei unserer zweiten LP etwas kalkulierter und auch AOR orientierter, Richtung DEF LEPPARD usw.
Im Nachhinein gesehen fehlte uns hier vielleicht das Erdige und Rotzige unseres Erstlingswerks. Dabei wollte uns vor
allem unsere Plattenfirma gemäßigter klingen lassen, um eventuell einen Song in den Charts zu platzieren.
Mit "Hold On" hatten wir dann auch Fernsehauftritte bei RTL in Luxemburg, Tele5 und auch SAT1 in Berlin -
moderiert von Thomas Gottschalk und Günther Jauch -, aber der Song wollte nicht wirklich zünden.
Der Promoclip "Love Is A Dangerous Game" - produziert vom ORF in Wien - brachte uns zumindest einige Achtungserfolge
im benachbarten Ausland wie Italien, Deutschland, Griechenland oder der Schweiz ein.
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Euer letztes Album "Deadly Trace" ging hingegen ein wenig in der Masse unter.
Eigentlich schade, da es produktionstechnisch gesehen zum reifsten Werk der Gruppe zählt...
Ja da hast du Recht. Wir haben versucht, soundtechnisch wieder einen Schritt nach vorne zu machen, was uns auch
gelungen ist. Dummerweise waren die Trends am Hardrock-Markt damals bei Erscheinen des Albums schon
ziemlich in Richtung Grunge ausgerichtet, also kein guter Zeitpunkt mit einem klassischen Rockalbum auf den Markt
zu kommen. Wir schafften es sogar in Matthias Herr's "Heavy Metal Lexikon" und wurden dort als absolut beste Hard
'n' Heavy Band Österreichs erwähnt. Songs wie "Cry For Freedom" oder "No Surrender" gehören
sicher zum besten Songmaterial, welches wir je geschaffen haben.
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Love Is A Dangerous Game 1989 | Deadly Trace 1991
Sehr amüsant fand ich auch den Song "Mountain Rock", bei dem
ihr die Melodie
von "Die lustigen Holzhackerbuam" eingebaut habt...
Dieser Song ist nach wie vor ein Knaller bei Rockparties oder Zeltfesten. Der Song wurde übrigens auf allen
erdenklichen Austro-Rocksamplern veröffentlicht und hat sich bis heute etwa 25.000-mal verkauft. Vielleicht
gibt es ja noch mal Gold dafür in Österreich.
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Nachdem STORMWAVE aufgelöst wurde, habt ihr die Gruppe RAT BAT BLUE
gegründet. Warum habt ihr den Entschluss gefasst, eine Coverband zu gründen? Schließlich
waren - mit Ausnahme des Bassisten Bruno Hosp - die kompletten Gründungsmitglieder von STORMWAVE am Start...
Das erste Line-Up von RAT BAT BLUE war STORMWAVE ergänzt mit Keyboarder Ossi Ingruber. Etwas später dann kam noch
Andrea Fuchs an den Vocals dazu - eine großartige Sängerin und seit 1996 meine Lebenspartnerin. Wie schon vorher
erwähnt entwickelte sich der Hardrock-Markt mehr und mehr in Richtung Grunge und auch die Auftrittsmöglichkeiten
wurden immer rarer in Tirol und Umgebung. So coverten wir aus Spaß im Herbst 1993 etwa 15 Nummern bei einem Dorffest
in unserer Gegend und hatten innerhalb weniger Minuten mehr als tausend Zuhörer um uns versammelt. Angespornt durch
dieses Erlebnis zogen wir uns für etwa ein Jahr in unseren Proberaum zurück und eigneten uns ein, wie ich finde, sehr
breit gestreutes und hochklassiges Coverprogramm an, das wir auch jetzt noch ständig weiterentwickeln. Und der
Erfolg gibt uns nach wie vor Recht, dass dies die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt war.
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Mit RAT BAT BLUE habt ihr auch die beiden Alben "All Time Greats" und
"Magic Moments" veröffentlicht und spielt regelmäßig im In-u. Ausland. Wie es aussieht, läuft es
wirklich recht gut für euch...
Die Buchungslage ist wirklich immer wieder erstaunlich. Die Konzerte sind gut besucht bis ausverkauft, 2/3 unserer
Programme sind groovige Rocknummern... ja, es ist immer noch geil so richtig abzurocken.
Stilistisch decken wir so ziemlich alles ab, vom Harleytreffen bis hin zu ausverkauften Kirchenkonzerten!
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Ihr habt ja Unmengen an exzellenten Coversongs am Start.
Schreibt ihr da nebenbei auch noch eigene Nummern?
Covern und vor allem gutes covern kostet enorm viel Probenarbeit und so kommen wir eigentlich kaum noch dazu eigene
Songs zu entwickeln. Aber ab und zu streuen wir bei Konzerten schon so Gassenhauer wie "Purple Light" oder "Midnight
Lover" in unsere Setlist ein.
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© Rat Bat Blue | www.ratbatblue.at
Und wie sieht es mit Wiederveröffentlichungen aus?
Eine deutsche Plattenfirma ist im Vorjahr an uns herangetreten, mit der Bitte, unsere noch vorhandenen Masterbänder
von STORMWAVE remastern zu dürfen, um dann ein Digibook mit 20 seitigem Fotobooklet und drei CDs auf den Markt zu bringen. Zusätzlich sollten wir noch vier alte Demonummern wie "Iron & Steel" als Kaufanreiz neu aufnehmen und mit draufpacken.
Bis jetzt ist das Ganze etwas ins Stocken geraten, weil sich unsere ehemalige Firma leider noch querstellt und utopische
Lizenzkosten haben will.
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Es gibt heute noch etliche Fans, die sich für ein Comeback von
STORMWAVE einsetzen. Sogar auf Facebook wurde ein eigener Blog gestartet, der dieses Unterfangen bewirbt.
Könnte diese Wunschvorstellung eines Tages in Erfüllung gehen?
Ein Comeback von STORMWAVE für eine kleine Tour wäre nur dann möglich, wenn es mit dem Re-Release
unserer gesammelten Werke klappen würde. Vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder...
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© Rat Bat Blue | www.ratbatblue.at
Abschließende Worte?
STORMWAVE war und ist ein wichtiger Teil unseres Musikerdaseins. Wir haben immer noch großen Spaß daran, so richtig
abzurocken und hoffen, dass es vielleicht doch noch zu einem kleinen Comeback mit einigen STORMWAVE-Livekonzerten
kommen wird. RAT BAT BLUE ist auf Facebook mit einer Fanseite vertreten. Dort kann man immer wieder mal
nachlesen, was sich so alles bei uns tut und wie es mit einer eventuellen Reunion voran geht...
Danke für dieses nette Interview und Keep On Rockin'!!!
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Ebenso einen herzlichen Dank für das Interview.
Ich hoffe, dass wir alle eine STORMWAVE-Reunion erleben dürfen...
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