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Vor 10 Monaten veröffentlichten SPEED LIMIT mit "Moneyshot" ein Album,
das weltweit hervorragende Kritiken bekam und sich in der Zwischenzeit zum absoluten Klassiker entwickelte. Auf den immensen Erfolg wurde nun auch Karthago Records aufmerksam und legten pünktlich zum 25 Jahr-Jubiläum das Debütalbum
"Unchained" neu auf. Ein Meilenstein, der bereits zur damaligen Zeit mächtig Staub aufwirbelte und noch heute zu den gesuchten Raritäten Europas zählt.
Ich unterhielt mich darüber mit Chris Angerer und Joe Eder...
Euer Debütalbum wurde bereits 1986 in Seekirchen in Salzburg aufgenommen.
Kannst du dich nach der langen Zeit noch an Einzelheiten erinnern?
Chris: Da die Zeit sehr knapp war und jeder von uns ziemlich viel Geld investiert hatte, waren wir im Studio
sehr konzentriert und diszipliniert. Immerhin wollten wir mit dem Album die weltweiten Charts erobern.
Jedenfalls hatten wir damals Bekanntschaft mit einem Starkbier namens Terminator oder so ähnlich gemacht,
was aber am nächsten Tag eher nicht so toll war.
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Wie seid ihr damals auf die junge Plattenfirma "Die Mühle" gekommen?
Das Label hatte
bis dato ja eher Blues-Musiker wie Ripoff Raskolnikov oder Al Cook unter Vertrag...
Chris: Die Hauptgründe waren einfach, dass sich "Die Mühle" sehr professionell präsentiert hat und
dass wir für die Recording Sessions nicht allzu weit fahren mussten. Freilich wäre es wichtig gewesen, wenn dieses Label
auch das Know-how zur Promotion einer Metal-Band und Kontakte zur Szene gehabt hätte, aber damals war uns nicht bewusst, wie wichtig das ist.
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Chris Angerer | © Guenter Leitenbauer
Ich gehe einmal davon aus, dass sich zum damaligen Zeitpunkt auch
niemand gedacht hätte, dass dieses Werk einen derart hohen Status erreicht und nach 25 Jahren wiederveröffentlicht wird...
Chris: Nein, in unserem jugendlichen Überschwang waren wir eher der Meinung, dass wir mit dem Album gleich in den
Rock-Olymp vorstoßen werden. Wenn du mich damals gefragt hättest, wo ich mich in 25 Jahren sehe, dann hätte
ich sicher mit "in meiner Villa in L.A. oder London" geantwortet. Verstehe auch nicht warum, aber wir sitzen
immer noch in Salzburg.
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Werdet ihr bei eurer nächsten Tour bzw. bei der Release-Party
vermehrt Songs des Erstlings spielen?
Chris: Auf der Release-Party kommen Musik und Videos aus der Konserve, hier geht es uns vor allem um den
direkten Kontakt mit unseren alten und neuen Fans. Vom Erstling spielen wir bei Headliner Shows nur 2–3 Songs live und
bei Supports ist einfach zu wenig Zeit. Es bricht uns bei der Programmfestlegung
jedes Mal das Herz, dass wir nicht einmal alle tollen Live-Kracher aus dem aktuellen Album spielen
können. Und "Lady", "No Lies" und "Dead Eyes" aus dem "Prophecy"-Album
haben hier klar Priorität, da sie auch schon auf Platte von Steven gesungen wurden.
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Unchained & The Prophecy | © Speed Limit
Also darf man keine Überraschungen erwarten?
Chris: Wie gesagt, es geht sich leider nicht mal aus, dass wir alle unsere Lieblinge ins Programm nehmen.
Live darf man sich vor allem darauf gefasst machen, dass wir mit unheimlich viel Energie und Spielfreude
unterwegs sind. Das liegt vermutlich daran, dass die viel gepriesene Chemie in der Band seit der
Reunion sensationell gut ist und wir uns gegenseitig richtig hoch putschen.
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Ab hier übernimmt Joe Eder...
Bei den soeben veröffentlichten Alben "Unchained/Prophecy"
hast du selber noch nicht mitgewirkt. Du kennst aber natürlich die Stücke und ihr habt auch Songs wie
"Burning Steel", "Slaves Of Desire" oder die von Chris genannten Nummern im Live-Programm.
Wie gefallen dir die beiden Alben?
Joe: "Unchained" & "Prophecy" waren in der damaligen Hard & Heavyszene in Salzburg natürlich Meilensteine,
die wir alle genau verfolgt und auch bewundert haben. Gerade "Prophecy" war ja auch, was Produktionsstandards
und Performance der einzelnen Mitwirkenden betrifft, absolut auf internationalem Niveau. Ich finde beide
Alben in ihrer Unterschiedlichkeit hervorragend. Die ungeschliffene Rohheit von "Unchained" genauso wie die
teils überpolierte Produktion von "Prophecy". Gute Songs hat Speed Limit ja schon immer abgeliefert.
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Joe Eder | © Günter Leitenbauer
Würdest du sie höher einstufen als das "Perfect Inspiration"-Album?
Joe: "Perfect Inspiration" ist natürlich als mein Debüt ein ganz besonderes Album für mich.
Ich finde, dass die CD auch heute noch sehr gut klingt. Dass die Songs teilweise auch in Richtung Mainstream tendieren, sollte
man ein wenig mit dem zeitlichen Hintergrund betrachten. Natürlich sind an uns damals die Charterfolge von
Bands wie White Lion, Mötley Crüe, Poison, Whitesnake oder auch Mr. Big nicht ganz spurlos vorbeigegangen.
Ich liebe nach wie vor Songs wie "Easy Come, Easy Go", den Drive von "Kill her Teddybear", "Love is a
Stranger" oder "Serenade 45". Und den Smasher "Head over Heels" haben wir live sogar noch in unseren Kurzprogrammen dabei.
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Mal ganz ehrlich: Könntest du - außer den genannten Livetracks - auch die restlichen Songs spontan spielen oder müsstest du die extra einüben?
Joe: Bei meinem Einstieg 1989 waren wir ja noch dabei das "Prophecy"-Album zu promoten, da haben wir so ziemlich
alle Songs live gespielt. Wenn ich mich ein wenig hinsetze und meine grauen Zellen anheize, sollte das in nicht
allzu langer Zeit wieder abrufbar sein. Von "Unchained" haben wir in letzter Zeit "Into The Future",
"Burning Steel" und "Slave of Desire" gespielt. Nachdem ich aber auch Fan dieser Band bin, sollte der
Rest machbar und mit Spaß realisierbar sein. "Vanishing Angel" oder "Wings Of Steel" wären
zum Beispiel absolut reizvoll.
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Re-Release Party 2011| © Karin Krug
Hast du eigentlich die ehemaligen Bandmitglieder wie
Hans Huthmann oder deine Vorgänger Jocky Brunner oder Hel Lennart jemals persönlich kennen gelernt?
Joe: Ja, natürlich kennen wir uns alle. Gerade in der Vorbereitung zur Re-Release Party habe ich alle wieder
kontaktiert und die Party selbst war ja auch eine Art Klassentreffen. Eine lustige Geschichte ist ja, dass ich
zusammen mit Drummer Wolf Krug Anfang 1987 am Zusammenstellen einer Band war und im Zuge dessen gab es eine
legendäre Sondier-Session mit Helmuth (Hel Lennart) und Ali Hilzensauer. Wenig später war Helmuth dann bei
Speed Limit.
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Ihr gehört zu den wenigen Hardockbands Österreichs, deren Werke
alle auf CD
digitalisiert wurden! Blickt man da nicht ein wenig stolz darauf zurück?
Joe: Ich sehe das eher als praktische Lösung. Jetzt gibt es das Material auf CD und die Fans müssen nicht mehr
Unsummen für die raren LPs hinblättern. Schön dabei ist natürlich, dass die Nachfrage überhaupt so
groß ist. Ich denke, da kann diese Band schon auch ein wenig stolz sein.
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Speed Limit | © Anita Eder
So kommen wir wieder zurück in die Gegenwart. Wie wir
berichtet haben, habt ihr es mit eurem neuen Album "Moneyshot" geschafft, in den Deutschen Rock- u.
Metal-Charts unter die Top 30 zu gelangen. Ein Unterfangen, das vor 25 Jahren wohl noch unmöglich gewesen wäre...
Joe: Ich kann schwer einschätzen, ob das nicht damals mit Unterstützung von einem arrivierten Rocklabel auch
möglich gewesen wäre. Damals sind schon viele Chancen ausgelassen worden. Ich denke, die Qualität hatte
die Band schon immer. Es steht mir nicht zu, zu beurteilen, ob die damals agierenden Personen der
Plattenfirma falsche Entscheidungen getroffen haben oder nur glücklos waren. Heute helfen natürlich die
Möglichkeiten des Internets viel bei dem Bekanntmachen von Bands und deren Musik. Aber man darf nicht
vergessen, es gibt dadurch auch eine enorme Flut an Musik in jedem Genre.
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Wenn du das Album heute betrachtest, würdest du an
"Moneyshot" etwas verändern?
Joe: Absolut nichts. Ich liebe dieses Album vom ersten bis zum letzen Ton. Es war ein verdammtes Stück Arbeit,
was wir aber meistens gar nicht gemerkt haben, weil wir derart in diesem Prozess gefesselt waren.
Ein Prozess, der ja nach der Reunion 2008 auch das Wiederkennenlernen der einzelnen Mitwirkenden eingeschlossen
hat. Gerade, wenn man soviel und so nahe zusammenarbeitet.
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Speed Limit | © Anita Eder
Wie steht es eigentlich mit den derzeitigen Verkaufszahlen von "Moneyshot"?
Joe: Ich kann es dir beim besten Willen nicht beantworten. Wir wissen es schlichtweg nicht. Das hängt damit zusammen,
dass sich unsere Plattenfirma Pure-Rock-Records, die ja enorm am Wachsen ist, sowohl in Deutschland als auch in Österreich
von ihren Vertriebsfirmen teilweise im Streit trennen musste.
Dass das genau in die erste Veröffentlichungsphase von "Moneyshot" gefallen ist, war etwas unglücklich.
Ich schätze, da sind noch immer nicht alle Schäfchen im Trockenen. Jetzt haben wir mit H'ART in Deutschland und
MFG in Österreich äußerst potente Partner in diesem Bereich.
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Das Album hat weltweit überaus gute Resonanzen eingefahren.
Wie sieht es den mit einem Nachfolgealbum aus? Gibt es schon einen Termin dafür und habt ihr schon neue Songs?
Joe: Wir haben uns bei der Wiedervereinigung darauf verständigt, alles, was wir tun, zu genießen und uns weitgehend
nicht in Stress hineintreiben zu lassen. Deshalb gibt es auch keinen Termin, der uns zu irgendetwas drängt.
Wir sind aber trotzdem schon am Erarbeiten neuer Songs, derzeit gibt's ca. 12-13 konkrete Songideen.
Ein neues Album sollte man aber nicht vor dem Frühjahr 2013 von uns erwarten.
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Speed Limit | © Anita Eder
Ihr hättet ja auch noch ein unveröffentlichtes Studioalbum sowie ein
Unplugged-Live Album im Archiv herumliegen. Könnte es sein, dass diese auch noch das Licht der Welt erblicken
werden?
Joe: Ja, das stimmt. Und ich habe gerade in den letzten Jahren gelernt, dass es Nix gibt, was es nicht gibt.
Wenn du mir bei unserem letzten Interview prophezeit hättest, dass unser nächstes Album die Top 30 der
Deutschen Metal/Rockcharts entert, hätte ich dich wohl für verrückt erklärt. Aber wie schon
erwähnt wollen wir uns auf die Zukunft der Band konzentrieren. Nicht, dass du mich falsch verstehst: Wir schätzen
ungemein die Vergangenheit dieser tollen Band und wissen sehr wohl, dass wir heute nur da stehen, weil es
auch diese Vergangenheit gibt. Aber wir wollen nach vorne schauen. Es gibt noch so viele tolle Songs zu
schreiben, so viele Hallen, die wir noch nicht gespielt haben, so viele Länder, Supportslots...
Klar ist es leicht möglich, dass es, wenn die Nachfrage dazu wächst, es eventuell auch mal eine Veröffentlichung
von Raritäten dieser Art geben kann. Momentan haben wir aber andere Ziele. Bei den meisten dieser "Restlverwertungen"
ist ja der Grat zwischen Geldmacherei und wirklich fanorientierter Archivöffnung ein sehr schmaler.
Es gibt ja meist auch Gründe, warum Tracks nicht veröffentlicht wurden...
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Abschließende Worte?
Joe: Mir persönlich hat es enormen Spaß gemacht, bei diesem Re-Release mitgearbeitet zu haben.
Der Test der Zeit hat bewiesen, dass es sich sowohl auf "Unchained" als auch auf "Prophecy" um großartige
Songs handelt. Sehr spannend war beim oftmaligen Durchhören, wie viel SPEED LIMIT-Trademarks, die auch
noch heute für uns Gültigkeit haben, dort wiederzuentdecken sind. Vor allem auch in Hinblick auf
das derzeit entstehende künftige Material - nennen wir es mal bewußtseinerweiternd. Schön ist aber auch
den Deckel dieses Kapitels wieder zuzumachen und sich mit voller Energie auf die neuen Songs zu konzentrieren
bzw. an einem neuen atemberaubenden Live-Programm zu arbeiten. Danke, dass wir bei unserem Weg von euch
derartig viel Unterstützung erhalten.
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Und ich danke euch beiden für das nette Interview.
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